01.05.09

Musical: Tanz der Vampire

Ich wurde eingeladen, da sagt man ja nicht nein. Normalerweise ist Musical eine, ähem, Kunstform, die sich mir mehr oder weniger komplett verschließt. Aber, so viel vorweg, Tanz der Vampire ist eine sehr unterhaltsame Sache, auch wenn ich eine lange Liste von Kritikpunkten habe.

Fangen wir mal mit den positiven Dingen an. Das Musical, so wie ich es in Oberhausen gesehen habe, lehnt sich sehr eng an den Film an. Ein paar Kleinigkeiten wurden geändert, aber im Großen und Ganzen bekommt man die Handlung des famosen Polanski-Klassikers. Gesangstechnisch war die Besetzung in Ordnung, wobei mich das ja doch amüsiert hat, dass die weibliche Hauptrolle mit holländischem Akzent sang und dazu noch ein piepsiges Stimmchen hatte. (Recherche ergab später, dass die Dame aus Estland stammt. Gibt es da irgendeine Sprachverwandtschaft, von der ich nichts weiß?) Der Von Krolock-Darsteller war auch nicht der größte Sänger vor dem Herrn, fing das aber durch sein Charisma locker wieder auf.

Das Bühnenbild: Phänomenal, wirklich. Dieses multifunktionale Wirtshaus muss man mal gesehen haben. Ganz groß auch der Friedhof, auf dem die mit Abstand beste Szene spielte. Ich will da nicht zu sehr ins Detail gehen, für diejenigen unter euch, die das Ding noch sehen wollen. Wirklich toll, was man mit guter Bühnentechnik heutzutage alles auf die Beine stellen kann. Mit atmosphärischer Beleuchtung kannten sich die Verantwortlichen auch aus, da stimmte alles.

Besonders gut hat mir alles gefallen, was im Zuschauerraum stattgefunden hat. Die Darsteller verlassen des öfteren mal die Bühne oder kommen durch Seiteneingänge von hinten durchs Publikum. Hat schon was, wenn plötzlich so ein gruseliger Typ hinter einem steht und dir die Hand über die Pläte hält - und dazu auch noch singt. Da ich einen Sitzplatz am Gang hatte, bin ich in den vollen Genuss all dieser netten Spielereien gekommen. Eigentlich hatte ich auch noch erwartet, dass jemand versucht, mich zu beißen, kam dann aber doch nicht.

Dann mal zum Negativen. Mein Hauptkritikpunkt: Wenn ich schon einen so hohen Eintrittspreis bezahle (wie gesagt, ich wurde eingeladen), dann will ich auch, dass die Musik komplett live ist. Ist sie aber nicht. Die Streicher und die orchestralen Dinge kommen hübsch vom Band. Unter der Bühne sitzt eine Rockband-Besetzung und noch ein paar Leute, die Solo-Blasinstrumente spielen. Generell war der Sound der Musik recht bescheiden, ich hatte mehr Live-Atmosphäre erwartet. Vor allem in den Chorszenen war es schwierig, die Texte zu verstehen. Und dafür haben sie nun extra dieses Gebäude da hingezimmert, um mit einer so enttäuschenden Akkustik um die Ecke zu kommen?

Zweitens, die Duette. Örx! Widerlich. Ich mag ja Jim Steinman gerne, aber die Duette, die er hier fabriziert hat... nee, lass mal. Jedenfalls mit diesen deutschen Texten dazu. Das mag funktionieren, wenn man ordentlich E-Gitarren drunterlegt und Meat Loaf singen lässt, aber unser schmieriger Alfred-Darsteller und die estnische Holländerin: Fail! Die Chorgeschichten waren dafür aber geil, wobei ich auch da auf Unterstützung durchs Band tippen würde. Ich glaube einfach nicht, dass man minutenlang auf der Bühne rumwirbeln und dabei ohne ein Zittern in der Stimme singen kann.

Überhaupt, Jim Steinman. Ich frage mich, ob der einen einzigen neuen Ton für dieses Musical geschrieben hat. Es kommen einem die ganze Zeit Versatzstücke sehr bekannt vor, einige Meat Loaf-Nummern wurden direkt komplett neu verwurschet, das gleiche Spiel mit Total Eclipse Of The Heart. Ist ja schön und gut, bei sich selbst zu klauen, aber in dem Ausmaß? Mein Problem dabei ist: Wenn ich da den Grafen ein Lied singen höre und in meinem Kopf Original Sin von Meat Loaf abläuft, dann ist das eher kontraproduktiv.

Zum Abschluss der Negativ-Bilanz: Dieser infantile Deppen-Humor, der da manchmal durchbricht, konnte mich nun wirklich nicht begeistern. Aber den Bürotussis und Kindergartenhelferinnen scheint's gefallen zu haben, jedenfalls haben sie gelacht. Ein Wort vielleicht zum Publikum, das war viel gemischter, als ich dachte. 

So, Fazit. Tanz der Vampire ist ein echtes Spektakel. Viel Licht, Musik, Getanze und Gesinge - kurzweilige zweieinhalb Stunden. Wenn einem die oben genannten Kritikpunkte nicht zu viel sind, kann ich einen Besuch durchaus empfehlen.

geschrieben von olsen ( Molluske ) :: Kommentare (2) :: Permalink :: Trackbacks (0)

songs

ich glaube, der song heißt "total eclipse of the HEART"

Kommentar von jörn (03.05.2009 12:13)

Jo, stimmt. Schon geändert. Man glaubt es mir ja nirgendwo, aber ich habe den tatsächlich vor ein paar Wochen zum ersten Mal im Radio gehört.

Kommentar von Olsen (03.05.2009 13:18)

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