22.04.09
Six Feet Under: Licht und Schatten
Das war sie also, eine der meistgelobten Serien der letzten zehn Jahre, Six Feet Under. In den letzten Wochen habe ich mir alle fünf Staffeln angesehen, die Boxen gab's günstig bei diesem Elektronikgroßmarkt mit dem Planetennamen. Was soll ich sagen? Ich finde, die positiven Kritiken sind deutlich übertrieben.
In der ersten Staffel kann ich mich den Jubelarien voll und ganz anschließen. Da ist die Serie noch packend, kontrovers, vielfältig und amüsant. Ab der zweiten Staffel geht es dann permanent bergauf und bergab, je nach Handlungsstrang. Charaktere machen Veränderungen durch, die nicht erklärt werden und nicht zum bisherigen Verlauf passen. Bei einer Figur im speziellen können sich die Autoren nicht entscheiden, ob sie Sympathie erzeugen wollen oder nicht. Bei der vierten und fünften Staffel bin ich teilweise nur noch drangeblieben, weil ich den Kram dann doch zu Ende sehen wollte.
A propos Ende: Das soll jetzt also diese wundebar runde und abgeschlossene Handlung gewesen sein? Das Ende, von dem mir mehrere Leute versicherten, es würde mich zu Tränen rühren? Tja. Das hätte vielleicht der Fall sein könnten, wenn mir die Charaktere nicht so fremd geworden wären. Die letzte Folge wirkt jedenfalls, als hätte man jetzt unbedingt fertig werden müssen. Ganz am Schluss gibt es auch noch eine reichlich überflüssige Zeitraffer-Sequenz.
Nicht, dass ich völlig falsch verstanden werde: Six Feet Under ist sicherlich eine der besseren Fernsehserien der letzten zehn Jahre. Es gibt einige köstliche Gags, kauzige Figuren und gut geschriebene Dialoge. Dieses Niveau wird nur leider nicht permanent gehalten. Und, bei gerade mal 13 Folgen pro Staffel (die letzten beiden haben sogar nur 12) kann das doch nicht so schwierig sein...
Kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Gerade die letzte Folge gehört zum besten, was ich je im Fernsehen gesehen habe. In den letzten 45 Minuten folgt ein tief bewegender Dialog auf den nächsten. Ein Plädoyer für das Leben, dafür, seinen eigenen Weg zu gehen und trotzdem die Menschen, die einem wichtig sind, nicht zu vergessen. Und die Zeitraffer-Sequenz ist absolut genial: witzig, traurig, liebevoll, alles in einem.
Welchen Charakter meinst du denn, bei dem sich die Autoren nicht entscheiden konnten?
Die Frau von Rico, der Name ist mir gerade entfallen. Mal soll die das manipulierende Biest sein, dann soll man wieder Sympathie für sie empfinden.
Vanessa? Ich dachte schon, du meinst David. Der war mir von Anfang an nicht besonders sympathisch.

