13.04.09

Auf Wiedersehen, Notaufnahme

(SPOILER-WARNUNG! NICHT VIELE, ABER EINIGE.)

Das war's. Ende, aus, vorbei. Vor einer Woche ist in den USA die fünfzehnte und letzte ER-Staffel zu Ende gegangen. Die Abschlusfolge war weniger rührselig, als ich erwartet hatte. Keine Krankenhausschließung, keine dramatischen Ereignisse in letzter Sekunde, nein, einfach ein schöner Schluss. Ich hatte den Eindruck, die Autoren sind vorher rumgegangen und haben jeden Darsteller gefragt: "Willst du ein Happy End für deine Rolle? Ja? Okay, check. Nächster! Du auch? Alles klar, check." Kann mich an keinen Handlungsstrang erinnern, der jetzt noch irgendwie in der Luft hängen würde. Allerdings etwas zu lang. Die ausgestrahlte Doppelfolge hätte sich auch auf eine normale Episode verkürzen lassen können.

Natürlich gab es ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern aus den ersten Staffeln. So ging es aber schon die ganze Staffel lang. Es war vorher angekündigt worden, und die Produzenten haben es wirklich geschafft, so gut wie jede wichtige Rolle aus den ersten Staffeln noch mal unterzubringen. Eigentlich habe ich nur eine einzige Figur vermisst, die aber dafür in der dreizehnten Staffel noch mal aufgetaucht ist. Wie die Autoren es geschafft haben, Anthony Edwards noch mal einzubauen, dessen Rolle in der achten Staffel an einem Tumor gestorben war, ist ziemlich bemerkenswert. Bei den anderen ist es mehr oder weniger passend, aber nie peinlich gewesen. Und, ja, George Clooney hatte auch noch mal einen Auftritt. Das hat mir sehr gefallen. Die Serie hat ihn zum Star gemacht, und offensichtlich ist er ein loyaler Mensch.

Und jetzt ist es vorbei. Ich habe jede Episode dieser Mammutserie gesehen. 331 Stück. Mein Gott, da darf man gar nicht drüber nachdenken. Die letzte Staffel war eine der besten der ganzen Serie. Viele Elemente, die die Produzenten zwischendurch komplett über Bord geworfen hatten, feierten eine Wiederauferstehung. An erster Stelle: Das Konzentrieren auf menschliche Geschichten der Patienten, etwas weniger Privatgeplänkel (wobei ich das auch immer unterhaltsam fand). ER hat im Gegensatz zu Third Watch, einer anderen Serie von Produzent John Wells, niemals komplett seinen Charakter geändert.

Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass heutzutage noch mal eine Serie neu gestartet wird, die es auf so viele Staffeln bringt. ER war da vermutlich die letzte aus der alten Garde, sozusagen. Auf dem alten ER-Sendeplatz läuft in den USA jetzt eine neue Polizei-Serie von John Wells namens Southland. Die erste Folge habe ich gesehen, erscheint viel versprechend.

geschrieben von olsen ( Molluske ) :: Kommentare (4) :: Permalink :: Trackbacks (0)

Ich bin schon zu lange weg von ER. Hab ja zwischendurch überlegt, ob ich nochmal anfange, aber mittendrin in irgendeine Staffel zu schalten, die gerade aktuell im TV läuft, war nicht so das Richtige. Zu viele neue Gesichter, mit denen man nichts anfangen konnte. Aber vielleicht besorg ich mir mal nach und nach die DVD-Boxen, wenn auch nur leihweise.

Hast du denn am Ende auch schön geheult, wie sich das gehört? ;)

Kommentar von LaRocca (13.04.2009 19:09)

Na, da hab ich ja woanders schon wesentlich mehr Spoiler gelesen. Wobei, was will man bei ER auch groß spoilern (Benton ist ein Cylone und die Notaufnahme ist in Wirklichkeit nur ein Paralleluniversum ;-) )?
Von bewegenden Patientenschicksalen war in den ersten vier Folgen der letzten Staffel bislang nichts zu merken. Ging mir alles am Arsch vorbei, die Patienten sind doch schon lange nur noch Staffage. Gut, vielleicht ändert sich das ja wirklich noch...
Die erste Southland-Folge hab ich mir auch mal angeschaut. Gut gemacht, wie von Wells und Chulack nicht anders zu erwarten, aber recht unoriginell. Sagtest du nicht mal über Third Watch, du willst keine normalen Cop-Shows sehen? Genau das ist Southland ja wohl.

Kommentar von Herr Hase (14.04.2009 12:02)

Da hast du mich falsch verstanden. Ich hab gar nichts gegen Copshows. Nur ist Third Watch ja unter anderen Prämissen gestartet. Und wie man eine Serie durch Einführung eines einzigen Charakters (diese Latino-Ische) so dermaßen vor die Wand schreiben kann, ist mir immer noch ein Rätsel. Southland: Unoriginell? Ja, sicher. Mir wurscht, hat mir gefallen. Aber du kannst dich gerne dem Kreis der "Nur The Wire ist gut, allet andere Scheisendreck"-Schreier anschließen.

ER: Du willst der 15. Staffel einfach keine Chance geben, was? Aber bei den einzelnen Staffeln waren wir eh immer anderer Meinung, wieso sollte sich das jetzt ändern...

Kommentar von Olsen (14.04.2009 20:00)

Was heißt hier "keine Chance geben"? Ich bin wahrscheinlich der einzige Deutsche, der sich alle Staffeln im Fernsehen angeguckt hat/anguckt (seit 13 1/2 Jahren!). Und ich bleibe ja nur dran, weil ich mir von der Rückkehr der "Altstars" einiges erwarte, sonst hätte ich ja längst aufgegeben.
Die NYTimes berichtet heute (in der SZ-Beilage), die Storyline mit Carters Nierentransplantation wäre gekauft bzw. von der Bill and Melinda Gates-Stiftung gesponsert! (Gibt es bei ER nicht auch einen Dr.Gates? Jetzt wird mir einiges klar. ;-) )
Die erste "Southland"-Folge war auf jeden Fall wesentlich packender als die erste(n) "The Wire"-Folge(n). Ist halt 'ne altmodische Copshow, was in Zeiten des CSI-Plagiatswahns erstmal zu begrüßen ist. Nur gibt's halt aktuelle Serien, die ich interessanter finde, weswegen ich das jetzt nicht unbedingt im Internet weiter verfolgen muss.

Kommentar von Herr Hase (14.04.2009 20:15)

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